Essad Beys “Die Geschichte meines Lebens”

Aus: Die literarische Welt, 7/1931

Lebensläufe von heute

Essad Bey

Die Geschichte meines Lebens

Vorerst: ich hasse offene Bekenntnisse, verkündete Ideale und die Jugend, zu der ich, dem Alter nach, selbst gehöre. Das Erste: weil offene Bekenntnisse meistens nur geschmacklose Versuche sind, sich selbst zu verherrlichen. Das Zweite: weil Ideale dazu da sind, um verschwiegen zu werden. Das Dritte: weil die mo­derne Jugend dem Alten, von dem sie physisch und geistig lebt, verächtlich den Rücken kehrt und dabei naturgemäß der Barba­rei verfallen muss.

Ich liebe: alte Leute, gleichviel welcher Konfession, Nation oder Parteizugehörigkeit, den Anblick der flachen, grauen, an­geblich so trostlosen Wüsten, die durch keinen Baum verunstal­tet sind — und die Wappen sämtlicher Kaiserreiche der Welt. Das Erste: weil die alten Leute meistens ruhiger, klüger und beschei­dener sind als die jungen. Das Zweite: weil sich beim Anblick der Sandwüste mein Auge erholt. Das Dritte: weil ich im Wap­pen eines Kaiserreiches die Verheißung einer besseren Zukunft der Menschheit erblicke.

Dieses als Vorbemerkung.

Geboren …? Aber schon da beginnt das Problematische mei­nes Daseins. Die meisten Leute können ein Haus oder zumindest einen Ort angeben, in dem sie geboren sind. Zu diesem Ort beziehungsweise zu diesem Hause pilgert man dann in den alten Tagen, um sich biederen Reminiszenzen hinzugeben. Um mich den besagten Reminiszenzen hinzugeben, müsste ich zum Wagen eines D-Zuges pilgern. Ich bin während des ersten rus­sischen Eisenbahnstreiks mitten in der russischen Steppe zwi­schen Europa und Asien geboren, als meine Mutter von Zürich, dem Sitze der russischen Revolutionäre, nach Baku, dem Wohn­sitze meiner Familie, reiste. Am Tage meiner Geburt erließ der Zar sein Manifest, in dem er den Russen die Verfassung ge­währte. Am Tage meiner Ankunft in Baku stand die Stadt in Flammen der Revolution und der Metzeleien des Pöbels. Ich selbst musste zu meinem Vater in einem Trog gebracht werden, worauf mein Vater mich samt meiner Amme hinausschmeißen wollte.

So begann mein Dasein.

Vater: Ölindustrieller; Mutter: radikale Revolutionärin; ich selbst also von Geburt aus dazu bestimmt, beides in mich auf­nehmend, liberaler Kapitalist zu werden. Dazu ist es aber nie ge­kommen. Die ersten Kindheitseindrücke: die Bohrtürme mitten in der flachen, öden Sandwüste, der Gesang des Muezzins in der Moschee und der verfallene maurische Palast der alten Herrscher. Diesem Palast galt meine Liebe. Er erhob sich mitten im alten asiatischen Stadtteil und wurde von der gesamten ölgierigen Menschheit von Baku verachtet. Mein Vater, der vierzig Jahre in Baku verbracht hatte, wusste kaum etwas von seiner Existenz. Ich entdeckte ihn für mich selbst und verbrachte dann endlose Stun­den im Gerichtshof der alten Fürsten von Baku, am mächtigen, arabeskenverzierten Tor den Thronsaales, zwischen den zerfalle­nen Säulenkolonnen und unverständlichen Inschriften. Die Liebe zum alten, ungepflegten Schloss wuchs allmählich zur Liebe für die Menschen, die in das Schloss gehören. Um den Palast der alten Khane, um die Stadt zog sich die Wüste. Mit acht Jahren saß ich unbeweglich und faul auf dem Dach unseres Hauses und machte Verse über beides, die Wüste und den Palast. Beides wurde für mich zum Inbegriff einer stillen, alten, schweigsamen Größe, von der die Menschen um mich herum keine Ahnung hatten.

Jeden Sommer, von meinem zweiten Lebensjahre an, reiste ich nach Deutschland. Dort gab es weder Wüsten noch ungepflegte Ruinen. Die Menschen trugen einen Scheitel, waren immer gewaschen und hatten blaue Augen. Die stillen Korridore der deutschen Hotels, die lautlosen Diener und die Butterbrote in den Händen der Gepäckträger flößten mir grauenhafte Angst ein. Es war die Angst vor dem unbekannten, unverständlichen, modernen Leben. Dann kam der Krieg und die Deutschland­reisen hörten auf.

Kriegsjahre? Ich habe von ihnen wenig verspürt; meine Er­zieherin war eine Deutsche. Ich sprach mit ihr deutsch und hoffte mit ihr zusammen, dass die Deutschen siegen und in Baku ein­ziehen werden. Ich versprach mir davon einen einzigartigen Skandal, Straßenkämpfe, Schüsse, Unordnung und etliche angenehme und erfreuliche Dinge. Diese angenehmen und erfreu­lichen Dinge kamen von einer anderen gänzlich unerwarteten Seite. Die Revolution brach aus, als ich 13 Jahre alt war, und mit ihr begannen die heiß ersehnten Straßenkämpfe, Skandale und Unordnung. Vom Tage der Abdankung des Zaren an wurde ich zuerst nur gefühlsmäßig aus Mitleid für die gefallene Größe, dann immer bewusster, ein entschiedener Monarchist, was aber keineswegs mit der bolschewistischen Enteignung der Ölquellen zusammenhing. Es folgten die zügellosen Jahre der Revolution und des Bürgerkrieges. Straßenkämpfe. Blutige Leichen bedeck­ten die die Straßen Bakus; vielleicht mehr als die Straßen irgend­einer anderen Stadt des alten Zarenreiches. Dann kommt die Flucht, zuerst nach Turkestan und Persien, wo ich beim Anblick der Wüsten beinahe die ganze Revolution vergaß, dann eine kurze Wiederkehr in die Heimat und zuletzt wieder die bol­schewistische Invasion. Ich fliehe. Mein Vater folgt mir. Einige Stunden verbringe ich in der Tscheka, werde dann mit Hilfe einer kleinen Lüge freigelassen und setze die Flucht fort. Aber hinter der damaligen Grenze des Bolschewistenreiches, in Geor­gien, werde ich als Agent der Dritten Internationale wieder für einige Stunden verhaftet. Dann folgt eine kurze Erholung von den roten Plakaten, von zwangsweisem kollektivistischen Glück und dem Terror. Die Erholung dauert nur wenige Monate. Die bolschewistischen Truppen rücken heran. Wir fliehen wieder, diesmal nach Konstantinopel, wo ich zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Revolution zu denken und zu fühlen beginne. In Konstantinopel regt sich das Alte wieder. Ich pilgere zu den Mo­scheen, zum Palast des Sultans, zu dem allwöchentlichen Selamlik. Der Sultan, der damals mehr Titel als unter seiner Herrschaft stehende Kilometer hatte, flößt mir dieselben Gefühle des Mit­leids und der Ergebenheit ein wie einst der Zar. Am Bosporus vergesse ich allmählich das brennende Gefühl des Hasses, das in mir in den Tagen der Revolution jeder Arbeiter, jeder radikale Politiker schon allein durch seine Existenz erweckt hatte. In mir entsteht das erste Bedürfnis, die monarchistische Überzeugung vernunftmäßig zu rechtfertigen. Diese erste Rechtfertigung ist denkbar einfach: Es kommt nicht auf die Regierungsform, son­dern auf die Regierungsart an. Je weniger eine Regierung ver­sucht, mich glücklich zu machen, desto wohler fühle ich mich. Die Erfahrungen der bolschewistischen Revolution und der zwangsweisen Glücklichmachung haben mir diese Weisheit ge­geben. Von diesem Standpunkt aus ist die Frage, ob Monarchie oder Republik, gänzlich gleichgültig. Doch ist die Monarchie immerhin vorzuziehen, weil sie trotz allem weniger Schatten­seiten besitzt als sämtliche nichtmonarchistischen Regierungs­formen, die ich kennengelernt habe. Die späteren europäischen Erfahrungen haben diese Weisheit in keiner Weise erschüttert.

Konstantinopel macht aber gleichzeitig in mir von neuem das Gefühl des Islams lebendig. Der Weltglaube, der Panislamismus, der Wunsch, den islamischen Frieden der Menschheit zu er­schließen, bestimmt jahrelang mein Dasein. Der theokratische Imperialismus des Islams, der innere Friede, den er der Mensch­heit gibt, fesselt mich unwiderstehlich. Das monarchistische Ge­fühl findet auf diese Weise seine theologische und zugleich inter­nationalistische Rechtfertigung.

Die unbekannte Größe Europas zieht mich aber an. Es folgt Italien und die vornehme katholische Klosterschule in Rom, dann Paris, und zuletzt, seit mehr als einem Jahrzehnt, Deutsch­land.

In Deutschland beginnt zuerst die praktische Politik. In einer dunklen, verrauchten Kneipe im Norden Berlins versammeln sich die wenigen Panislamisten. Unsere Zahl wächst, im ver­rauchten Zimmer werden alle Sprachen des Orients gesprochen, hin und wieder auch deutsch. Wohl die Hälfte der Anwesenden sind englische oder russische Spione. Der Anführer ist ein indi­scher Eunuch, der gleichfalls später in englische Dienste tritt. Wir alle zusammen treiben Politik, der Krieg hat uns alle irgend­wie aus der Bahn gebracht, Verschwörungen werden organisiert, Attentate vorbereitet und nicht ausgeführt, Aufrufe verfasst. Ich halte Vorträge über das Kalifat und schreibe Gedichte. Zugleich immatrikuliere ich mich bei der Universität. Die Semester rollen ab, ohne eine wesentliche Spur zu hinterlassen. Die praktische Politik beginnt mich zu ekeln. Der praktische Panislamismus artet in Klatsch, gegenseitige Verleumdungen und Misstrauen aus. Der praktischen Politik folgt die praktische Literatur, das Stadium, in dem ich mich auch gegenwärtig befinde, ohne es bis jetzt bedauert zu haben. Ich bin deutscher Schriftsteller. Die vie­len Völker, die ich besucht, die vielen Ereignisse, die ich gesehen habe, haben mich zum vollendeten Kosmopoliten erzogen. Doch liebe ich Deutschland, weil es (lache da, wer lachen will!), das bestorganisierte und bequemste Land der Welt ist, was ich im Gegensatz zu den meisten jungen Zeitgenossen keineswegs als ein Manko empfinde. Im Gegenteil; ich erdreiste mich, gerade darin die eigentliche Aufgabe eines jeden Staates und die primi­tivste Vorbedingung jeglicher Kultur zu erblicken.

Weshalb ich heute, trotz des jahrelangen Aufenthaltes in einer Republik, Monarchist geblieben bin und mit jedem Tage immer monarchistischer werde? Diese Frage ist nicht schwer zu beant­worten. Die heutige Welt steht vor zwei großen Gefahren: des Bolschewismus und des alles überwuchernden Nationalismus. Gegen diese beiden Gefahren kenne ich nur ein Mittel — die Monarchie, allerdings die wahre Monarchie und nicht ihre ver­fassungsmäßige, national begrenzte, wilhelminische Abart. Was ist die wahre Monarchie? Für mich ist sie das einzige über­parteiische, überstaatliche und übernationale Prinzip, mit dem die Menschheit erfolgreich regiert werden kann. Ich weiß: die Menschheit zerfällt in Völker, die Völker in Klassen. Doch ist die Klasse keineswegs die letzte Teilung der Menschheit. Außer dem Klassenkampf gibt es einen Kampf der Parteien innerhalb einer Klasse und den Kampf der Führer innerhalb einer Partei. Die Monarchie, ein legitimes föderatives Imperium mit dem Monar­chen als einem gänzlich klassenlosen, beinahe übermenschlichen Gipfel der Menschheitspyramide, ist der gegebene Ausweg für die Menschheit, die an Parlamentarismus, Nationalismus, Bol­schewismus und ähnlichen Relativitäten leidet. Zur Rechtferti­gung dieses Standpunktes könnten Traktate geschrieben und Vorträge gehalten werden. Meine Absicht ist das nicht, denn ich versuche prinzipiell nie einen politisch Andersgläubigen zu überzeugen. Nur das eine muss hervorgehoben werden: in der heutigen Zeit wird der Begriff der Monarchie oft mit dem Be­griff der Diktatur verwechselt. Nichts ist fehlerhafter! Diktatur und Monarchie sind absolute Gegensätze, schon deshalb, weil die Diktatur sämtliche Schattenseiten einer Monarchie besitzt, ohne auch nur einen einzigen ihrer Vorteile aufzuweisen.

Phantasien? Vor einigen Jahrzehnten lebte in der Stadt Zürich ein armer Mann mit einer großen Glatze. Er lebte in den be­scheidensten Verhältnissen und phantasierte. Selbst der Polizei erschien er als ein harmloser Phantast. Dieser Mann hieß Lenin. Seitdem ich dieses weiß, glaube ich an keine unerfüllbaren Phantasien mehr.

 

The Consequences of an Imputation – by H. Ahmed Schmiede

Translation of the Turkish-language article “Bir isnadin akibeti,” written by Achmed Schmiede in response to Semih Yasicioglu’s preface to the Turkish edition, Hürriyet Publishing House, Istanbul 1971. It claimed that Yusuf Vezir Chemenzeminli was the author of “Ali and Nino.

 

The Consequences of an Imputation

By H. Ahmed Schmiede

 

Actually I would like to start this article with a Turkish proverb: The liar’s candle only burns till sunset. But the assertion that I intend to refute here, I would not like to label a lie. A lie is when someone makes a false claim on purpose. I suppose there was no ill intent behind the imputation I am referring to. But it was brought into the world in a surprisingly thoughtless, even irresponsible way. One would have to describe the whole thing as gross negligence; especially when one realizes that it is about two writers who have not been alive for a long time and can therefore no longer defend themselves. The victims of the imputation are the Azerbaijani Lev Nussimbaum, who has written some works under the pseudonyms Kurban Said (‘Kurban’ means of all things “sacrifice”!) and Essad Bey, as well as the Azerbaijani writer Yusif Vezir Çemenzeminli.

In 1971 I became aware of a novel “Ali and Nino” published by Hürriyet in Turkey under the name Kurban Said. In the foreword it was claimed that this name is a pseudonym and that the real author of the Azerbaijani novel is Yusif Vezir Çemenzeminli.

The same work was published in German as a serial novel in Stern magazine and later, in 1973, as a book. I was delighted about this success of an Azerbaijani writer in the West – regardless of the content of this book. This novel was also published in several other Western countries, including England and the USA, in large printruns and became a bestseller.

However, the book published in Turkey was a translation. From what I’d heard, it was even a translation from English. But what kind of strange logic is it that a book by an Azerbaijani author is first printed in English and then translated into Turkish? The translator Semih Yazıcıoğlu puts this question in his foreword as follows:

“Stormy times cause destruction as well as the birth of great artists. “Ali and Nino” and its writer Kurban Said have become the victim of such a stormy time.

Who knows, if an enthusiast called Jenia Graman, who was a painter in Berlin in the 1930s, had not seen on the a dusty bookshelves of a second-hand bookshop in West Berlin, a copy of “Ali and Nino”, which she had read in Vienna 32 years earlier, perhaps the misfortunes of both the work and the already forgotten writer would continue.

This coincidence added an unknown work to the history of literature. Because when Jenia Graman re-read “Ali and Nino”, which she had seen in the Austrian capital in 1937, she immediately decided to bring to light this masterpiece. She translated it into English, and one of the greatest movements of recent years began in the history of literature with the release of the novel last spring.”

But what language was the novel translated into English from? Yazıcıoğlu touches on this point by quoting a letter he received from an Azerbaijani named Mustafa Türkekul living in the USA. The letter reads as follows:

“It is true that “Ali and Nino” was originally written in Azerbaijani-Turkish. Afterwards, Yusif Vezir translated this work into German with the help of a German friend. Later, he presented the German translation of this work to a publishing house in the capital of Austria, Vienna.”

It appears from these notes that this novel, printed in Turkey, is a book that was (allegedly) written in Azerbaijani, then translated from there into German, from there into English and from there into Turkish. Nevertheless, Semih Yazıcıoğlu says:

“The style of the book, the language behind the translation, and the general atmosphere of the work leave no doubt that it is written in Azerbaijani-Turkish.”

Let us now come to the central claim in the foreword of the Turkish edition of “Ali and Nino” that the pseudonym Kurban Said is actually Yusif Vezir Çemenzeminli.

“Two Azerbaijani Turks living in the United States brought to light Kurban Said’s true identity and life story. One of them, Mustafa Türkekul was a well-known literary writer, he also had written a book on writers who were killed in the purges in Russia in 1937. This work was published in Istanbul in 1963 under the title of “Hüseyin Cavid”. After immigrating to America, he started to work as an accountant in a Washington hotel. The other Azerbaijani was a teacher named Yusuf Kahraman and was working as a radiologist in a Washington hospital.

It was Yusuf Kahraman who drew the attention of Türkekul to a review published in the Washington Star about their home country. Then they read the book head by head in one night until the morning. As dawn broke, the story of the unknown author of “Ali and Nino” was clear to them. Because Kahraman and Türkekul had seen that the novel was the story of a real drama. They recognized the streets, avenues, squares, palaces, and even the surnames of some families mentioned in the book. The conclusion of the two Turks was this: “Ali and Nino” was a long lost work of a well-known writer from Azerbaijan. The author hid behind the name of Kurban Said was none other than the famous Azeri writer Yusuf Vezir, who signed some of his works as “Chemenzeminli”.

So the story of “Ali and Nino” and its author was “lit up” in one night. Today we know that light was shed onto nothing in that night, quite to the contrary, the problem of the authorship was messed-up even more, and poor Mr. Yusif Vezir found himself with an eternal child he knew nothing about, and which appeared only years later.

As we have seen above, it has been alleged that the novel “Ali and Nino” was translated from Azerbaijani into German, or, as some others claim, from Russian into German. After reading the Turkish edition, I picked up the German version. I am a translator myself. My native tongue is German. It was crystal clear to me that the German version was not a translation but an original work. And somehow I felt that I was no stranger to its style. Nevertheless, the work could still have been by Yusif Vezir. Why shouldn’t he really have written it with the help of a German friend? On the other hand, Türkekul said that an Azerbaijani original was absolutely essential. Fine, but where was this original? I got in touch with Deutsches Pressehaus [German House of the Press] in Munich and asked if anything was known about the fate of the original manuscript. The person in charge told me that they were aware of the allegations made by the two Azerbaijanis, Türkekul and Kahraman, but that at the same time some people were convinced that the novel was written by someone named Lev Nussimbaum, a writer, whose father was a Jew and whose mother was an Azerbaijani Muslim who was born in Baku and fled to Europe during the October Revolution and wrote a number of books there under the pseudonym Essad Bey.

I was becoming interested in dissolving the darkness lying on this riddle. However, there was nothing to be dissolved, the whole truth was already on the table! But some time had to pass before I realized that.

When I was invited to Baku in September 1973 to take part in the celebration of the 600th birthday of the poet Seyyid Imadeddin Nesimi, I consulted my friend Prof. Abbas Zamanov on this matter. He told me that this was an irrelevant claim and that Yusif Vezir could not have written such a work for scientifically proven reasons. (Abbas Zamanov is Director of the Chair of Modern Azerbaijani Literature at Baku University and is therefore a competent expert in this field).

After receiving this information from him, I thought that it might be useful to follow Essad Bey’s trail and – I was not mistaken!

There are two German-language novels under the name Kurban Said. The first is the book we are talking about here, the work “Ali und Nino” (in Turkish: Ali ile Nino) first published in 1937, the second the “Das Mädchen vom Goldenen Horn” (Haliç’ten gelen kız – The Girl from the Golden Horn) printed in 1938 .

In order to elucidate the relationship between Kurban Said and Esad Bey, I took a look at the magazine “Al-Islam”, which was first published in 1969 and which contains a short bibliography “Islam in self-testimony” by the Yugoslav Turkologist Dr. Smail Balic. After finding Essad Bey there, I wrote a letter to Dr. Balic. He replied with the following: “‘Kurban Said’ is a joint pseudonym for Baroness Elfriede Ehrenfels von Bodmersdorf and Lev Nussimbaum.”

When I heard “Ehrenfels”, I remembered the Austrian nobleman and Muslim scientist Prof. Ömer von Ehrenfels, whom I have known for many years and whom I respect very much. Through the contact I made with Prof. Ömer about this matter, I learned that he himself had been the friend of Essad Bey (that is, Lev Nussimbaum) for many years and that he would eventually, after writing a few documentary works, had become interested in writing novels and that he had started writing under the pseudonym Kurban Said. Essad Bey even wrote his second novel “Das Mädchen vom Goldenen Horn” with the help of Prof. Ömer’s divorced wife, Baroness Elfriede Ehrenfels von Bodmersdorf, and of course again under the pseudonym Kurban Said.

The written answer I received to the question I asked Baroness Ehrenfels, the original of which I have kept, is as follows:

10 June 1974

Dear Mr Schmiede,  I would like to inform you as a translator and interpreter for Turkic languages who has traveled Baku, that Kurban Said was the pen name of the writer Essad-bey, who came from Baku, and with whom I have cooperated in Vienna in 1938 on the publication of his novel: The Girl from the Golden Horn.

Yours sincerely
Elfriede Ehrenfels, née Bodmershof

So there is no longer any serious doubt about the identity of Kurban Said.

Let us turn one last time to the Turkish foreword which Mr. Semih Yazıcıoğlu added to the Turkish edition of the novel “Ali and Nino”:

“When the day comes, the other works by Kurban Said alias Yusif Vezir Çemenzeminli will also take their place on the Turkish bookshelf.”

Despite all our other disagreements, I agree with Mr. Yazıcıoğlu on this hope. Even if Yusif Vezir Çemenzeminli is not Kurban Said, I am sure that he is a writer who is worthy to be known and liked in Turkish and world literature.

Who knows, maybe one day in this way – albeit in the opposite direction – it will be of use to the cause that Türkekul and Kahraman have racked their brains for one night.

Bir isnadın akıbeti – Yazan: H. Ahmed Schmiede

Bir isnadın akıbeti

Yazan: H. Ahmed Schmiede

Aslında yazıma bir Türk atasözü ile başlıyasım gelmişti: Yalancının mumu yatsıya kadar yanar. Fakat çürütmeğe karar verdiğim iddiaya yalan damgasını vurmak istemem. Yalan, mahsus olarak ileri sürülen bir yanlış sözdür. Halbuki burada bahsedeceğim mesele, her halde kötü niyetle değil, fakat şaşırtıcı bir düşüncesizlikle, hatta mesuliyetsizlikle ortaya atılan bir isnadın etrafında döner. Hele çoktan öldüklerinden kendilerini müdafaadan tam manasıyla aciz İki yazar hakkında ortaya atılmış olduğunu göz önüne tutarsak, bu işe kaba gaflet dememiz gerekir. İsnadın kurbanları, KURBAN (!) SAİD ve ESAD BEY mahlasları altında birçok eserler yazan Azerbaycanlı Lev Nussimbaum ile yine Azerbaycanlı yazar YUSÎF VEZİR ÇEMENZEMİNLİ’dir.

1971 yılında Türkiye’de “HÜRRİYET” yayınları meyanında Kurban Said diye bir kimsenin adı altında çıkan, “Ali ile Nino” adlı bir roman dikkatimi çekmişti. Kitabın önsözünde, bu Kurban Said isminin takma ad olduğu açıklanarak, romanın asıl yazarının Azerbaycanlı edip Yuslf Vezir Çemenzeminli olduğu iddia ediliyordu. Akabinde aynı eserin Almanca olarak “STERN” mecmuasında tefrika şeklinde yayımlandığını, daha sonra 1973’te kapışılan bir kitap halinde görünce, itiraf etmeliyim ki, Azeri edebiyatının hayranı, olarak bir Azerbaycanlı yazarın Batı’daki bu başarısı – kitabın münderecatı ne olursa olsun – bana pek cazip geldi. Çünkü bu roman aynı zamanda diğer bazı batı ülkelerinde, bu meyanda İngiltere ve Birleşik Amerika’da da büyük tirajlarla piyasaya çıkmış ve (bestseller) olmuştu.

Ancak: Türkiye’de çıkan kitap, çeviri idi. Hatta duyduğuma göre İngilizce’den çeviri idi. Bu ne hikmetti ki, Azerbaycanlı bir yazarın eseri İngilizce olarak basılsın, sonradan Türkçe’ye cevrilsin? Mütercim Semih Yazıcıoğlu, önsözünde bu hususu söyle anlatır:

“Fırtınalı devirler büyük sanatçıların doğumuna vesile olduğu kadar, yıkımına da sebep olur. *Ali ile Nino’ ile yazarı Kurban Said de işte böyle bir fırtınalı devrenin kurbanı olmuş bir kitapla yazarıdır.

Kim bilir, belki 1930 yıllarında Berlin’de ressamlık etmiş Jenia Graman adlı bir meraklı Batı Berlin’deki bir sahaf dükkanının tozlu raflarından birinde 32 yıl evvel Viyana’da okuduğu ”Ali ile Nino”ya rastlamasaydı, belki hem eserin, hem de çoktan unutulmuş yazarının bahtsızlıkları devam edecekti.

Bu tesadüf edebiyat tarihinin meçhullerinden birine son verdi. Çünkü Jenia Graman, 1937’de Avusturya başkentinde gördüğü ”Ali ile Nino”yu tekrar okuduğu zaman bu şaheseri derhal aydınlığa çıkarmağa karar verdi, onu Ingilizceye çevirdi ve romanın geçen baharda yayınlanmasıyla edebiyat tarihinde son yılların en büyük hareketlerinden biri başladı.

Fakat İngilizce’ye hangi dilden çevrilmiş ? Bu noktaya Sayın Yazıcıoğlu, ABD’de yaşayan Mustafa Türkekul isimli bir Azerbaycanlı ‘dan aldığı mektubu dercettirmekle temas eder. Mektupta – meyanda – şöyle denilir:

“Eli ve Nino’nun original olarak, Azeri Türkçesi ile yazıldığı mühekkektir. Sonradan Yuslf Vezir bu eseri bir Alman dostunun kömeyi ile Almanca yazır. Sonradan bu eserin Almancasını Avusturyanın merkezi Vena şeherinde bir neşriyat evine takdim edir.”

Bu notlardan aydın olur ki, Türkiye’de basılan roman, (güya) Azerbaycanca olarak kaleme alınmış iken, oradan Almancaya, oradan Ingilizceye, oradan da Türkçeye çevrilen bir kitaptır. Buna rağmen Semih Yazıcıoğlu der ki:

“Gerek kitabın üslûbu, gerek çevirinin ardındaki dil, gerek eserin genel havası onun Azeri Türkçesiyle yazılmış olduğundan şüphe bırakmamaktadır.”

Gelgelelim, Kurban Said mahlası arkasında Yusif Vezir Çemenzeminli’nin gizlendiği merkezindeki İddianın, “Ali ile Nino”nun Türkçe neşrine koşulan mukaddemedeki tezahür şekline:

“Kurban Said’in gerçek kimliğini ve hayat hikayesini aydınlığa çıkaran Amerika’da yaşayan İki Azerbaycanlı Türk oldu. Bunlardan biri, Mustafa Türkekul tanınmış bir edebiyatçıydı, 1937 yılında Rusya’daki temizlikler sırasında öldürülen yazarlar üzerine bir de eseri vardı. Bu eser 1963’te İstanbul’da ‘Hüseyin Cavid’ adıyla yayınlanmıştı. Amerika’ya göç ettikten sonra Washington otellerinden birinde muhasebecilik yapmağa başlamıştı. Öteki Azerbaycanlı ise Yusuf Kahraman adlı bir öğretmendi ve Washington hastanelerinden birinde radyolog olarak çalışıyordu.

Memleketleri hakkında Washington Star gazetesinde yayınlanan bir eleştiri yazısına arkadaşı Türkekul’un dikkatini çeken Yusuf Kahraman olmuştu. Sonra kitabı alıp bir gece kafa kafaya vermişler ve onu sabaha kadar okuyup bitirmişlerdi. Ertesi sabah şafak sökerken ”Ali ile Nino” ile meçhul yazarının hikayesi aydınlanmıştı. Çünkü Kahraman’la Türkekul romanın gerçek bir dramın hikayesi olduğunu görmüşlerdi. Eserde adı geçen sokakları, caddeleri, meydanları, sarayları, hatta bazı ailelerin soyadlarını bile tanımışlardı. İki Türkün vardıkları sonuç şudur: ”Ali ile Nino”, Azerbaycan’da büyük ün yapmış bir yazarın yıllardır kayıp bir eseriydi. Kurban Said adı ardında gizlenmiş yazar ise bazı eserlerine ‚Çemenzeminli’ diye imza atan ünlü Azeri yazarı Yusuf Vezir’den başkası değildi.”

Demek bir gece içerisinde “Ali ile Nino” ve yazarının hikayesi “aydınlanmıştı”. Bugün biliyoruz ki, o gece hiç bir şey aydınlanmamış, aksine bu müellif meselesi adamakıllı arapsaçına döndürülmüş ve zavallı Yusif Vezir Beyin, haberi olmadığı bir edebi yavru, yıllar sonra ortaya çıkıveren veledizina kabilinden bağrına bastırılmıştı.

Yukarıda gördüğümüz gibi, “Ali ile Nino” adlı romanın Azerbaycanca’dan Almanca’ya veya diğer bazı kimselerin iddia ettikleri gibi Rusça’dan Almanca’ya çevrilmiş olduğu ileri sürülmektedir. Türkçe neşrini okuduktan sonra Almancasını ele aldım. Kendim mütercimim. Anadilim Almanca’dır. Almanca metnin tercüme değil, bilavasıta telif olduğu bana gün kadar aydın oldu. Ve üslûbunun bana yabancı olmadığını hisseder gibi oldum. Buna rağmen eser yine de Yusif Vezir’in olabilirdi. Onu gerçekten bir Alman dostunun yardımı ile niye yazmış olmasındı ? Diğer taraftan Türkekul bir Azerbaycanca orijinalinin mutlaka mevcut olması gerektiğinden bahs ediyordu. Peki, bu orijinal nerede idi ? Münih’te kâin Alman neşriyat evi İle temas kurup, orijinal müsveddenin akıbeti hakkında bir şeyler bilinip bilinmediğini sordum. Oradaki ilgili şahıs bana, Türkekul ve Kahraman adlı Azerbaycanlı’ların iddialarından haberdar olduğunu, aynı zamanda birçok kimseler tarafından romanın Lev Nussimbaum isimli, babası musevi, anası da bir Azerbaycanlı müslüman kadını olan, Baku’da doğmuş vefakat Ekim inkilabından Avrupa’ya kaçmış ve buralarda Esad Bey mahlası altında bir sıra kitabın müellifi olan kimse tarafından yazıldığına inanıldığını söyledi.

Bu meselenin etrafındaki karanlığı çözmek hevesine düştüm. Meğer ki, bunda çözülecek bir şey yokmuş, aslında bütün hakikat ortada imiş! Fakat bunu anlayıncaya kadar daha bir az vakit geçecekti.

1973 yılanın Eylül ayında, şair Seyyid Imadeddin Nesimi’nin 600.cü doğum yıldönümü ile ilgili merasimlere katılmak üzere Baku’ya gittiğimde bu meseleyi dostum Prof.Abbas Zamanov’a danıştım. Bunun asılsız bir iddia olduğunu, Yusif Vezir’in böyle bir eser yazmasının ilme dayanan birçok sebeplerden ötürü mümkün olamayacağını bana söyledi. (Abbas Zamanov, Baku Üniversitesi Çağdaş Azerbaycan Edebiyatı kürsünün müdürü ve bu işin böylece kompetanıdır).

Yerinden aldığım bu malumattan sonra Esad Bey İznini takip etmenin belki faydalı olacağını düşündüm ve – yanılmamışım!

Kurban Said adı altında iki Almanca roman mevcuttur. Birincisi yukarıdan beri bahsettiğimiz 1937 yılında ilk kez çıkan “Ali und Nino” (Ali ile Nino), ikincisi de 1938 yılında basılan “Das Mädchen vom Goldenen Horn” (Haliç’ten gelen kız).

Kurban Said – Esad Bey irtibatını aydınlaştırmak maksadıyla İlk evvela 1969 yılında yayımladığım “Al-İslam” adlı mecmuada dercettirdiğim, Yugoslavyalı Türkolog Dr. Smail Balic’in “Der İslam in Selbstzeugnissen” adlı muhtasar bibliografisine bir göz attım ve Esad Bey’in orada zikredildiğini görünce Dr. Balic’e mektup yazdım. Balic cevabında şöyle der: ”’Kurban Said’, barones Elfriede Ehrenfels von Bodmershof ile Leo Noussimbaum’un müşterek tahallüsüdür.”

Ehrenfels deyince, uzun yıllardan beri tanıştığım vs çok hürmet ettiğim Avusturyalı asilzade ve müslüman alimi Prof. Ömer von Ehrenfels akla geldi. Prof. Ömer ile bu mesele İle ilgili olarak yaptığım temas neticesinde, kendisinin uzun yıllar boyu Esad Bey’in (yani Lev Nussimbaum’un) dostu olduğunu, onun, bir takım dokumanter (senetli) eser yazdıktan sonra nihayet romancılığa heves ettiğini ve Kurban Said mahlası İle yazmağa başladığını öğrendim. Hatta ikinci romanını (“Das Mädchen vom Goldenen Horn”) Esad Bey, Prof. Ömer’in boşanmış zevcesi barones Elfriede Ehrenfels von Bodmershof’un yardımı ile ve tabii yine Kurban Said mahlası altında yazmıştı.

Barones Ehrenfels’e vaki sualime aldığım ve aslı uhdemde saklı yazılı cevabın Türkçe tercümesi aynen böyledir:

 

A-3522 Lichtenau, N.Ö., 10 Haziran 1974

Herrn

A. Schmiede, BDÜ Sonnenstraße 11,

D-8059 Moosinning

Sayın Bay Schmiede,

Baku’ya seyahat etmiş Türk dilleri mütercimi olan size şunu bildirmek isterim: KURBAN SAİD tahallüsü, Baku’lu Muhammed Esad Bey’in yazarlık mahlaslarındandır. Adı geçenle birlikte ben 1938 yılında Viyana’da “Das Mädchen vom Goldenen Horn” romanını neşrettirmiştim.

Samimi selâmlarımla

(imza)

(Elfriede Ehrenfels, Bodmershof)

 

Böylece Kurban Said’in kimliği hakkında ciddi bir şüphe kalmamıştır.

Son bir defa Sayın Semih Yazıcıoğlu’nun, ”Ali ile Nino” romanının Türkçe neşrine koştuğu önsöze dönelim:

“Günü gelince, diğer eserleri de yerini alacak Türk kitaplığında Kurban Said – Yusuf Vezir Çemenzeminli’nin”.

Bütün diğer görüş ayrılığımıza rağmen Semih Beyle bu temennide birleşiyoruz. Kurban Said değilse de, Yusif Vezir Çemenzeminli’nin Türkiye ve dünya edebiyatında bilinmeğe, sevilmeğe layık bir yazar olduğuna eminim.

Kim bilir, belki Türkekul ve Kahraman’ın bir geceki kafa patlatmaları böylece – tersten de olsa – günün birinde işe yarar hale gelir.

“Die Folgen einer Unterstellung” von Ahmed Schmiede

Übersetzung des türkischsprachigen Artikels “Bir isnadin akibeti”, den Achmed Schmiede als Entgegnung auf Semih Yasicioglus Vorwort zur türkischen Ausgabe, Hürriyet Verlag, Istanbul 1971, verfasst hatte. Darin wurde behauptet, dass Yusuf Vezir Chemenzeminli der Autor von “Ali und Nino” sei.

 

 

Die Folgen einer Unterstellung

Von H. Ahmed Schmiede

 

Gern möchte ich diesen Beitrag mit einem türkischen Sprichwort beginnen: Die Kerze des Lügners brennt nur bis Sonnenuntergang. (Vgl: Lügen haben kurze Beine) Aber die Behauptung, die ich hier zu widerlegen beabsichtige, möchte ich ungern als Lüge abstempeln. Eine Lüge liegt vor, wenn jemand absichtlich eine falsche Behauptung aufstellt. Doch hinter der Angelegenheit, auf die ich hier zu sprechen komme, steckt vermutlich keine böse Absicht, es handelt sich vielmehr um eine Unterstellung, die in erstaunlich unbedachter, sogar verantwortungsloser Weise in die Welt gesetzt wurde. Man müßte das Ganze als grobe Unachtsamkeit bezeichnen; insbesondere wenn man bedenkt, daß es dabei um zwei Schriftsteller geht, die seit langem nicht mehr

leben und sich daher in keiner Weise rechtfertigen können. Die Opfer dieser Unterstellung sind der Aserbaidschaner Lev Nussimbaum, der einige Werke unter den Pseudonymen Kurban Said („Kurban” bedeutet bezeichnenderweise „Opfer”!) und Essad Bey verfaßt hat, sowie der ebenfalls aserbaidschanische Schriftsteller Yusif Vezir Çemenzeminli.

1971 wurde ich in der Türkei auf einen Roman eines „Kurban Said“ aufmerksam gemacht, der unter dem Titel „Ali und Nino” im Hürriyet-Verlag erschienen ist. Im Vorwort wurde behauptet, dass der Name „Kurban Said“ ein Pseudonym sei, und dass der wirkliche Autor der Aserbaidschaner Yusif Vezir Çemenzeminli ist. Dasselbe Werk erschien später als Fortsetzungsroman auf Deutsch im STERN und kam 1973 in Buchform auf den Markt, was mich als als ausgesprochener Bewunderer der aserbaidschanischen Literatur zugegebenermaßen erfreute. Das Buch fand reißenden Absatz und ich freute mich über diesen Erfolg eines aserbaidschanischen Schriftstellers im Westen – unabhängig vom Inhalt des Buches. Dieser Roman war nämlich auch in einigen anderen westlichen Ländern, darunter England und die USA, in hohen Auflagen erschienen und zum Bestseller geworden.

Allerdings war die in der Türkei erschienene Ausgabe eine Übersetzung. Wie ich hörte, war sie sogar eine Übersetzung aus dem Englischen. Aber was ist das für eine merkwürdige Logik, dass ein Buch eines aserbaidschanischen Autors zuerst auf Englisch gedruckt und danach ins Türkische übersetzt wird? Der Übersetzer Semih Yazıcıoğlu erörtert diese Frage in seinem Vorwort folgendermaßen:

„So wie stürmische Epochen zur Geburt großer Schriftsteller führen, können sie auch zum Anlass für deren Niedergang werden. Auch das Buch ‚Ali und Nino’ und sein Autor Kurban Said sind Opfer einer solchen stürmischen Epoche geworden. Hätte eine aufmerksame Kundin namens Jenia Graman, die in den 1930er Jahren in Berlin als Malerin tätig war, das Buch Ali und Nino , das sie vor 32 Jahren in Wien schon einmal gelesen hatte, in den verstaubten Regalen eines Westberliner Antiquariats nicht wiederentdeckt, wer weiß wie lang dieses Werk und sein seit langem in Vergessenheit geratener Autor noch auf ihre Sternstunde hätten warten müssen. Dieser Zufall beendete aber die Anonymität eines der Literaturgeschichte bisher völlig Unbekannten. Denn als Jenia Graman den Roman ‚Ali und Nino’, den sie im Jahre 1937 in der österreichischen Hauptstadt sah, erneut gelesen hatte, beschloß sie, dieses Meisterwerk umgehend aus der Versenkung ans Tageslicht zu befördern. Sie übersetzte es ins Englische, und die Veröffentlichung des Romans im vergangenen Frühjahr setzte eine der größten Bewegungen der Literaturgeschichte der letzten Jahre in Gang.”

Aber aus welcher Sprache wurde der Roman ins Englische übersetzt? Diesen Punkt berührt der geschätzte Yazıcıoğlu, indem er einen Brief zitiert, den er von einem in den USA lebenden Aserbaidschaner namens Mustafa Türkekul erhielt. In dem Brief heißt es folgendermaßen:

“Es ist ganz sicher, dass ‚Ali und Nino’ im Original auf Aserbaidschanisch verfasst wurde. Danach übertrug Yusif Vezir dieses Werk unter der Anleitung eines deutschen Freundes ins Deutsche. Anschließend reichte er die deutsche Fassung dieses Werkes bei einem Verlag in der österreichischen Hauptstadt Wien ein.”

Aus diesen Notizen geht hervor, daß es sich bei diesem in der Türkei gedruckten Roman um ein Buch handelt, das angeblich auf Aserbaidschanisch verfaßt wurde, dann ins Deutsche, vom Deutschen ins Englische, und dann schließlich ins Türkische übersetzt worden ist. Dennoch behauptet Semih Yazıcıoğlu:

“Weder der Stil des Buches, noch die der Übersetzung zugrundeliegende Sprache, noch die allgemeine Atmosphäre des Werkes lassen irgendeinen  Zweifel zu, dass es auf Aserbaidschanisch verfaßt worden ist.”

Kommen wir nun zu der zentralen Behauptung im Vorwort der türkischen Ausgabe von ‚Ali und Nino’, nämlich, dass sich hinter dem Pseudonym Kurban Said in Wirklichkeit Yusif Vezir Çemenzeminli verbirgt.

“Es waren zwei in Amerika lebende Aserbaidschaner, die die wahre Identität Kurban Saids und seiner Lebensgeschichte an Licht brachten.  Einer von ihnen war Mustafa Türkekul, ein bekannter Literaturkritiker. Er hatte eine Arbeit über die Schriftsteller verfaßt, die in Rußland während der ‚Säuberungen’ im Jahre 1937 umgebracht wurden. Diese Arbeit wurde 1963 in Istanbul unter dem Namen Hüseyin Cavid veröffentlicht. Nachdem seiner Auswanderung nach Amerika, arbeitete er in einem Hotel in Washington als Buchhalter. Der andere Aserbaidschaner war ein Lehrer namens Yusuf Kahraman, der in einem Washingtoner Krankenhaus als Radiologe arbeitete.

Yusuf Kahraman machte seinen Freund Türkekul auf eine in der Washington Star Zeitung erschienene Kritik über ihr Heimatland aufmerksam. Daraufhin kauften sie sich das Buch, steckten eine ganze Nacht lang die Köpfe zusammen und lasen es bis zum Morgen durch. Im Morgengrauen war dann die Geschichte von ‚Ali und Nino’ und ihres unbekannten Autors geklärt. Denn Kahraman und Türkekul hatten begriffen, dass der Roman die Geschichte eines wirklichen Dramas war. Sie erkannten die im Werk erwähnten Straßen, Wege, Plätze, Paläste und sogar die Nachnamen einiger Familien. Das Ergebnis, zu dem die beiden Aserbaidschaner gelangten, war folgendes: ‚Ali und Nino’ war das jahrelang verschollene Werk eines in Aserbaidschan berühmten Schriftstellers. Der Verfasser, der sich hinter dem Namen ‚Kurban Said’ verbarg, war kein anderer als der berühmte aserbaidschanische Schriftsteller Yusuf Vezir, der einige seiner Werke mit ‚Çemenzeminli’ unterzeichnet hatte.”

Also wurde die Geschichte von ‚Ali und Nino’ und seinem Autor innerhalb von einer Nacht „erhellt”. Heute wissen wir, dass in dieser Nacht gar nichts erhellt, sondern dass ganz im Gegenteil das Autoren-Problem nun erst so richtig aufgewühlt wurde, indem man dem armen Herrn Yusif Vezir einen Jahre später aufgetauchten  literarischen Wechselbalg/Bastard___ anhängte, von dem er nichts wusste, und den ihm die Hebamme erst nach Jahren in den Schoß drückte.

Wie wir bereits feststellten, wurde behauptet, dass der Roman ‚Ali und Nino’ angeblich vom Aserbaidschanischen ins Deutsche, oder anderen Quellen zufolge vom Russischen ins Deutsche übertragen wurde. Nachdem ich die türkische Ausgabe gelesen hatte, nahm ich die deutsche Fassung zur Hand. Ich bin selbst Übersetzer und Deutsch ist meine Muttersprache. Es war mir sofort sonnenklar, dass die deutsche Fassung keine Übersetzung, sondern ein Originalwerk ist. Und irgendwie spürte ich, dass mir dieser Stil nicht fremd war. Trotzdem hätte das Werk immer noch von Yusif Vezir sein können. Wieso sollte er es eigentlich nicht mit Hilfe eines deutschen Freundes geschrieben haben?

Auf der anderen Seite hatte Türkekul davon gesprochen, dass ein aserbaidschanisches Original unbedingt vorhanden sein müsse. Aber wo war dieses Original? Ich habe mich mit dem Deutschen Pressehaus in München in Verbindung gesetzt und gefragt, ob etwas über das Schicksal des Originalmanuskriptes bekannt sei. Die dort zuständige Person sagte mir,  man wisse zwar über die Behauptungen der beiden Aserbaidschaner Türkekul und Kahraman Bescheid, dass aber gleichzeitig viele davon überzeugt seien, der Roman sei von einem Lev Nussimbaum verfaßt, einem in Baku gebürtigen Schriftsteller, dessen Vater Jude und dessen Mutter eine aserbaidschanische Muslimin war, der während der Oktoberrevolution nach Europa geflohen war und dort unter dem Pseudonym „Essad Bey“ eine Reihe von Büchern geschrieben hatte.

Es reizte mich nun, das dieses Rätsel umgebende Dunkel zu lichten. Dabei gab es da gar nichts zu lichten, die ganze Wahrheit lag bereits auf dem Tisch! Aber bis ich das erkannte, musste noch etwas Zeit vergehen.

Als ich im September 1973 nach Baku eingeladen wurde, um an der 600-Jahr-Feier zu Ehren des Dichters Seyyid Imadeddin Nesimi teilzunehmen, zog ich in dieser Angelegenheit meinen Freund Prof. Abbas Zamanov zu Rate. Er teilte mir mit, dass dies eine völlig gegenstandslose Behauptung sei, und dass Yusif Vezir ein solches Werk aus wissenschaftlich belegbaren Gründen nicht geschrieben haben könne. (Abbas Zamanov ist Direktor des Lehrstuhls für moderne aserbaidschanische Literatur an der Universität Baku und ist somit ein kompetenter Experte auf diesem Gebiet).[1]

Nachdem ich von seiner Seite diese Auskunft erhalten hatte, dachte ich mir, daß es vielleicht nützlich wäre, die Spur von Essad Bey zu verfolgen und – ich habe mich nicht geirrt!

Es gibt zwei deutschsprachige Romane, die unter dem Namen „Kurban Said“ veröffentlicht sind. Der erste ist das Buch, von dem wir hier reden, das 1937 erstmals erschienene Werk „Ali und Nino”; das zweite das 1938 veröffentlichte „Das Mädchen vom Goldenen Horn”.

In der Absicht, die Beziehung zwischen Kurban Said und Essad Bey aufzuklären, warf ich zunächst einen Blick auf die Kurzbibliographie des jugoslawischen Turkologen Dr. Smail Balic mit dem Titel „Der Islam in Selbstzeugnissen”, die ich der 1969 veröffentlichten Zeitschrift „Al-Islam” hinzugefügt hatte. Als ich entdeckte, daß Essad Bey darin aufgeführt war, schrieb ich an Dr. Balic. Er antwortete mir folgendermaßen: „‚Kurban Said’ ist ein gemeinsames Pseudonym für Baronin Elfriede Ehrenfels von Bodmershof und Leo Noussimbaum.”

Als ich den Namen „Ehrenfels“ las, fiel mir der österreichische Adlige und muslimische Gelehrte Prof. Ömer von Ehrenfels ein, den ich seit vielen Jahren kenne und hochachte. Ich nahm zu Prof. Ömer Kontakt auf und erfuhr auf diese Weise, dass er selbst viele Jahre hindurch Essad Beys (d.h. Leo Noussimbaums) Freund gewesen war, und dass dieser, nachdem er ein paar dokumentarische Sachbücher abgefaßt hatte, sich schließlich der Romanschreiberei  zuwandte und unter dem Pseudonym „Kurban Said“ zu schreiben begonnen hatte. Seinen zweiten Roman „Das Mädchen vom Goldenen Horn” hatte Essad Bey sogar mit Hilfe von Prof. Ömers geschiedener Frau, Baronin Elfriede Ehrenfels von Bodmershof geschrieben und ebenfalls unter dem Pseudonym „Kurban Said“ herausgebracht.

Die schriftliche Antwort, die ich auf die von mir an Baronin Ehrenfels gerichtete Frage erhielt und deren Original sich in meiner Obhut  befindet, lautet wie folgt:

((hier folgte der originale dt. Text, keine Rückübersetzung aus dem Türkischen:))

A-3522 Lichtenau, N.Ö., am 10. Juni 1974

Herrn H.A.Schmiede
BDÜ Sonnenstraße 11
D-8059 Moosinning

Sehr geehrter Herr Schmiede:

Ihnen als Dolmetscher und Übersetzer für Turksprachen, der Baku bereist hat, möchte ich mitteilen, dass KURBAN SAID ein Schriftstellername des aus Baku stammenden Muhammed Essad-bey war, mit dem ich an der Veröffentlichung seines Romanes „Das Mädchen vom Goldenen Horn“ im Jahre 1938 in Wien zusammen gearbeitet habe.

Mit freundlichen Grüßen,

gez. Frida Ehrenfels-Bodmershof

(Elfriede Ehrenfels, geb. Bodmershof)

Somit gibt es keine ernsthaften Zweifel mehr über die Identität von Kurban Said.

Wenden wir uns ein letztes Mal dem türkischen Vorwort zu, das Herr Semih Yazıcıoğlu der türkischen Ausgabe von „Ali und Nino” vorangestellt hat:

“Wenn der Tag gekommen ist, werden auch die anderen Werke von Kurban Said alias Yusif Vezir Çemenzeminli ihren Platz im türkischen Bücherregal einnehmen.”

Trotz all unserer sonstigen Meinungsverschiedenheiten, bin ich, was diesen Wunsch angeht, ganz einer Meinung mit Herrn Yazıcıoğlu. Auch wenn Yusif Vezir Çemenzeminli nicht Kurban Said ist, bin ich mir sicher, dass er als Schriftsteller Ansehen und Wertschätzung verdient, im türkischen Schrifttum sowie auch in der Weltliteratur. Und wer weiß, vielleicht führt eines Tages diese Nacht, in der Türkekul und Kahraman sich den Kopf zerbrachen, auf diese Weise trotz der Widersprüchlichkeit doch noch zu einem brauchbaren Ergebnis.

 

 

Proudly powered by WordPress | Theme: Baskerville 2 by Anders Noren.

Up ↑